Meine Historie

Ich begann mit der Fotografie im Alter von zehn Jahren, als ich erste Aufnahmen auf Rollfilm machte. Obwohl aus den 1960er-Jahren keine Bilder mehr existieren, erinnere ich mich lebhaft an Motive wie Klassenkameraden und Landschaften. Mein Weg führte vom Kleinbildfilm über Schwarz-Weiß- und Farbmaterialien bis hin zum Großformat 8×10 Inch, das ich ab 1987 nutzte. Die analogen Techniken, die ich dabei erlernte, prägen bis heute meine Arbeit mit digitalen Kameras und in der Bildbearbeitung.

In der Kleinbildzeit stand die Schwarz-Weiß-Fotografie im Mittelpunkt. Sie bot mir die volle Kontrolle über den gesamten Prozess und lenkte den Fokus auf Licht, Kontraste, Formen und Linien. Diese Reduktion schärfte meinen Blick und half mir, eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Ich testete Filme und Entwickler ausgiebig, später auch chromogene Schwarz-Weiß-Filme, die im C-41-Prozess entwickelt wurden. Alterungserscheinungen einiger Negative zwangen mich, frühzeitig zu digitalisieren. Parallel dazu sammelte ich Erfahrungen mit Fotopapieren und Abzugstechniken. Einige meiner Arbeiten wurden ausgestellt und ausgezeichnet.

Die intensive Beschäftigung mit Schwarz-Weiß-Fotografie führte mich zu den Klassikern der Fotogeschichte, insbesondere Ansel Adams und Edward Weston. Ihre Werke inspirierten mich, auf das Großformat umzusteigen, das maximale Kontrolle über Belichtung, Entwicklung und Abzug ermöglicht. Workshops bei Peter Gasser und Bob Werling sowie zahlreiche Tests halfen mir, ein eigenes System zu entwickeln. Präzise Lichtmessung und eine durchdachte Arbeitsweise erlaubten es mir, unterschiedlichste Lichtsituationen sicher umzusetzen. Meine Motive wählte ich bewusst: Natur, Stillleben und Szenen aus meinem persönlichen Umfeld.

Die digitale Technik hat inzwischen Sensoren hervorgebracht, die die Qualität von Kleinbildfilmen übertreffen. Mit hochwertigen Objektiven und sorgfältiger Arbeit lässt sich ein Niveau erreichen, das dem Großformat nahekommt. Die digitale Bildbearbeitung ist dabei ein unverzichtbares Werkzeug. Sie erfordert fundierte Softwarekenntnisse und regelmäßige Übung, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

Analoge Fotografie heute – im Jahr 2025

Mit acht Jahren Erfahrung in der Schwarz-Weiß-Kleinbildfotografie und weiteren acht Jahren im Großformat verstehe ich, warum viele heute zur analogen Fotografie zurückkehren möchten. Dennoch rate ich davon ab, basierend auf meinen fast 25 Jahren mit digitalen Kameras und Bildbearbeitung. Die Gründe sind klar:

– Digitale Negative bieten eine deutlich höhere Qualität als analoge Kleinbildfilme.
– Die Kosten für analoge Fotografie sind erheblich höher.
– Die Möglichkeiten der digitalen Dunkelkammer sind nahezu unbegrenzt und hängen nur von der eigenen Kreativität ab.
– Alle Aufnahmedaten werden in den Metadaten gespeichert.
– Bilder können in Museumsqualität selbst gedruckt werden.

Mein Selbstversuch

Anfang des Jahres wagte ich einen Selbstversuch: Ich belichtete zwei analoge Filme mit meiner alten Olympus OM-2. Zu meiner Überraschung funktionierte die Kamera nach 40 Jahren einwandfrei – die Knopfzelle hielt noch immer. Das wäre bei einer heutigen Digitalkamera undenkbar. Ich begann mit einem Ilford XP2 400 Schwarz-Weiß-Film, den ich in einem Labor entwickeln ließ, da ich keine eigene Ausrüstung mehr besitze. Mir wurde schnell klar, dass ich von diesem Film nur TIFF-Dateien mit einem monochromen Kanal erhalten würde. Daher bestellte ich zusätzlich einen Kodak Ektar 100 Farbfilm, dessen TIFF-Dateien im RGB-Modus umfangreicher bearbeitet werden können. Die Entwicklung und die hochauflösenden Scans ließ ich bei „MeinFilmLab“ anfertigen. Die Kosten waren im Vergleich zur digitalen Fotografie enorm.

Wer meine anderen Beiträge kennt, weiß, dass ich ein Verfechter des Zonensystems von Ansel Adams bin. Doch mit Kleinbildfilmen ist dieses System nicht umsetzbar. Hier muss man eine durchschnittliche Belichtung wählen, um das Tonwertspektrum im fertigen Bild zu erhalten. Beim Ilford XP2 400 beschränkte sich die Bearbeitung in Lightroom und Photoshop auf einfache Eingriffe wie Abwedeln und Nachbelichten – ähnlich wie im analogen Labor. Mit dem Kodak Ektar 100 stand mir hingegen das volle Spektrum der digitalen Bearbeitung zur Verfügung. Dennoch bleibt ein entscheidender Unterschied: Ein digitales Negativ ist eine RAW-Datei mit dem gesamten Tonwertumfang der Aufnahme. Ein gescanntes Negativ hingegen ist bereits ein Pixelbild, dessen Qualität von der Scannerauflösung und den Einstellungen des Labormitarbeiters abhängt. Wer diesen Prozess selbst kontrollieren möchte, muss zusätzlich in teure Ausrüstung investieren.

Mein Selbstversuch zeigte nur die halbe analoge Fotografie, da ich den Prozess nach der Belichtung aus der Hand geben musste. Danach folgte ein weitgehend digitaler Workflow mit Lightroom und Photoshop. Dennoch war es ein besonderes Erlebnis, das sanfte Klicken der analogen Kamera zu hören und den Verschluss vor jedem Auslösen manuell zu spannen.

Meine Empfehlung für analoge Fotografie

Wer sich für analoge Fotografie begeistert, dem rate ich zum Großformat – am besten gleich 8×10 Inch. Der Vorteil: Man behält die volle Kontrolle über den Prozess. Ein Kontaktabzug genügt, um ein fertiges Bild zu erhalten, das ohne Vergrößerungsapparat an die Wand kann. Zudem lässt sich Ansel Adams’ Zonensystem vollständig nutzen, um feinste Details in Schatten und Lichtern herauszuarbeiten. Literatur und Tipps dazu finden Sie reichlich, auch auf meiner Webseite.

Wer diesen Weg einschlagen will, sollte einen Workshop besuchen, das nötige Material besorgen und gründlich testen. Die Hürden sind hoch, doch sie lohnen sich: Das Ergebnis überzeugt. Wem dieser komplexe Weg zu aufwendig erscheint, dem empfehle ich zumindest einen Color-Negativ-Film. Nach dem Scannen stehen drei Farbkanäle für die digitale Bearbeitung in Lightroom und Photoshop bereit.

Meine Bildbeispiele

Um analoge und digitale Fotografie zu vergleichen, habe ich bei meinen Aufnahmen mit der Olympus-Kamera auch die Fuji GFX50S II genutzt. Dabei hielt ich Brennweite, Bildausschnitt und Betrachtungswinkel so ähnlich wie möglich. Zuerst zeige ich die analogen und digitalen Aufnahmen im Vergleich, ergänzt durch 100- und 200-Prozent-Ausschnitte. Der Qualitätsunterschied der digitalen Bilder wird dabei schnell deutlich. Zusätzlich habe ich einige Aufnahmen – analoge und digitale – künstlerisch in Schwarzweiß und Farbe umgesetzt.

Analoge SW-Negative wie der Ilford XP2 400 besitzen nur einen Graustufenkanal, lassen sich aber – wenn auch eingeschränkt – in Photoshop bearbeiten. Deshalb schaltet man sie besser vom Graustufen- in den RGB-Modus um. Das empfehle ich generell für gescannte Schwarzweiß-Aufnahmen. Mit der Umstellung auf den ProPhotoRGB-Farbraum, der mit 16 Bit und einen größeren Dynamikumfang bietet, erreicht man die beste Bearbeitungsqualität. Öffnet man farbige TIFF-Dateien, fragt Photoshop ebenfalls nach einer Umwandlung – diese sollte man stets bestätigen. Den Unterschied im Dynamikumfang erläutere ich im nächsten Kapitel.

Dynamikumfang und Clipping

Digitale Aufnahmen belichte ich grundsätzlich „nach rechts“ (ETTR: Exposure to the Right), um den maximalen Tonwertumfang zu nutzen. Das erkläre ich ausführlich auf meiner Webseite und in meinen YouTube-Videos. Bei analogen Negativen belichtet man hingegen auf die Schatten, um dort Zeichnung zu erhalten, und entwickelt auf die Lichter. Das funktioniert im Zonensystem von Ansel Adams, jedoch nicht bei Kleinbildfilmen, die auf mittlere Belichtung und standardisierte Entwicklung ausgelegt sind.

Um den Dynamikumfang meiner Aufnahmen zu prüfen und Clipping zu erkennen, nutze ich seit Jahren das Programm RawDigger (rawdigger. com). Gescannte TIFF-Bilder lassen sich dort nicht direkt öffnen, sondern müssen erst in ein digitales Negativ (. dng) umgewandelt werden. Das gelingt über den Export in Lightroom.

Wandle ich die TIFF-Dateien ohne Bearbeitung in das DNG-Format um, zeigt RawDigger den Dynamikumfang der gescannten Negative. Bei meinen Bildern lag er bei etwa 9 bis 10 EV-Werten – ein sehr guter Wert. Schwarzweiß-Bilder enthalten dabei nur einen Grauwert-Kanal, ohne hinterlegtes Profil oder Farbraum. Farbige Bilder haben den Farbraum sRGB und drei Farbkanäle.

Spannend wird es, wenn man die Bilder in Photoshop öffnet und in den ProPhotoRGB-Arbeitsfarbraum konvertiert. Dann erreichen sowohl Schwarzweiß- als auch Farbbilder einen Dynamikumfang von bis zu 16 EV-Werten. Das ermöglicht extreme Bearbeitungen, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen.

Bei einem Stillleben fiel mir Clipping in den Lichtern der Blüten auf. Vermutlich entstand es schon bei der Aufnahme, auch wenn veränderte Scannereinstellungen es vielleicht verhindern könnten. Die Standardentwicklung des Films lässt solche Details verschwinden. Der Glaube, Filme seien in den Lichtern gutmütig und bewahrten dort die Tonwerte, ist ein Irrtum. Nur eine gezielte Belichtung der Schatten und eine Entwicklung auf die Lichter nach Ansel Adams’ Zonensystem könnten das vermeiden – und das gelingt nur im Großformat mit Einzelnegativen.

Hier zeige ich einige Bilder, um die technischen Details zu veranschaulichen. Weitere Aufnahmen mit meiner Olympus-Kamera finden Sie im Beitrag: https://meine-art-zu-sehen.de/schritt-fuer-schritt/. In den Metadaten unter den Bildern steht dann „SP-3000“ – das war der Scanner.

 

Hier gehts zu meinem YouTube Video:

 

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